Die breite Masse ist trotz des nachhaltigen Pokerbooms der Meinung, dass es sich hier ausschließlich um ein Glücksspiel handelt und dass das Spiel in verrauchten Hinterzimmern dubioser Kneipen gespielt wird. Der Handel an der Börse hat hingegen ein besseres Image. Zwar wird einem oft vorgeworfen, dass man die Weltwirtschaft an die Wand fährt, jedoch gelten die meisten Trader aus hochbegabt und äußerst professionell.

Ich habe lange Zeit Poker gespielt und bin nun seit einigen Jahren im Forex unterwegs und habe festgestellt, dass Poker und Forex riesige Gemeinsamkeiten aufweisen. Das mag vielleicht erstaunlich klingen, da diese beiden Tätigkeiten auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben, aber nach dem Artikel wirst du verstehen was ich meine!

 

Gemeinsamkeit 1: Ohne theoretisches Fundament geht es nicht

 

Ohne sich zu bilden geht es nichtWer sich dazu entschließt mit Währungen zu handeln, kann nicht einfach ins kalte Wasser springen und loslegen. Ich empfehle allen Lesern immer zunächst 2-3 Bücher zu lesen und die Basics zu lernen. Man muss wissen wie die Märkte funktionieren, welche Entwicklungen miteinander zusammenhängen, wie die technische und fundamentale Analyse funktioniert und was die wichtigste technischen Indikatoren sind. Zudem gilt es sich die entsprechende Fachterminologie anzueignen. Man sollte zum Beispiel wissen, was ein Stop Loss und Take Profit ist.

 

Beim Poker sieht es ganz ähnlich aus. Wer ohne jegliches Vorwissen an einem Pokertisch Platz nimmt, wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verlieren. Selbstverständlich muss man erstmal die Regeln lernen, doch die theoretischen Grundlagen gehen weit darüber hinaus. Man muss wissen was Outs, Odds und Potodds sind, vermeidliche Handranges bestimmen können und sich in der Spieltheorie auskennen. Man sollte etwas mit Begriffen wie VPIP, PRF und WTS anfangen können.

 

Gemeinsakeit 2: Die Praxiserfahrung ist wichtig

 

Als Forexhändler kann kein Buch die Praxis ersetzen. Wer plötzlich auf den realen Märkten sein eigenes Geld investieren muss, wird meist vollkommen anders handeln als in theoretischen Fallbeispielen. Viele Anfänger sind ziemlich verängstigt und unter Zeitdruck. Hier passieren viele Fehler. Nur wer bereit ist über einen längeren Zeitraum Erfahrungen zu sammeln, wird zu einem guten Trader werden können.

 

Auch im Poker passiert es schnell, dass man unkluge Situationen trifft, wenn man beim Livepoker von 9 Augenpaaren angestarrt wird. Auch Online ist die Zeit sehr begrenzt und bei hohen Einsätzen kann man schon mal ins Schwitzen geraten. Einen kühlen Kopf zu bewahren lernt man nicht aus Büchern, sondern nur in der Praxis.

 

Gemeinsakeit 3: Das Glück spielt eine Rolle

 

Keiner von uns hat eine Glaskugel und somit können wir nicht mit Sicherheit sagen, was Kurzfristig dominiert der Faktor Glückdie Zukunft bringen wird. Unerwartete Ereignisse können immer einen starken Einfluss auf die offenen Positionen eines Traders haben und von diesen gibt es jeden Tag etliche. Eine noch so gründliche Analyse ist noch lange keine Garantie dafür, dass der Trade einen Gewinn einbringen wird. Ein guter Trader liegt vielleicht in 60% der Fällen richtig, irrt sich aber bei 4/10 Trades. Wer noch einen Trade macht, kann entweder richtig oder falsch liegen. Wer jedoch auf lange Sicht stets fundierte Entscheidungen trifft, wird durch das Gesetz der großen Zahlen häufiger richtig als falsch liegen.

 

Genau so ist es beim Poker. Hin und wieder kommt es vor, dass man mit dem besseren Blatt verliert. Kommt man jedoch immer und immer wieder in eine ähnliche Situation, wird man langfristig ein profitables Spiel haben. Auch hier muss man die nötige Geduld und ein etwas größeres Spielvolumen mitbringen, um nicht an den kurzfristigen, vom Glück/Pech gesteuerten Schwankungen zu unterliegen. Jeder Spieler hat die Chance in einer einzigen Hand gegen einen echten Profi zu gewinnen, doch langfristig wird man keine Chance haben.

 

Gemeinsakeit 4: Die emotionale Belastung ist enorm

 

Bei hohen Einsätzen liegen die Nerven der Anfänger blankWer mit seinem eigenen, oder auch mit fremden Kapital handelt, steht unter enormen Druck. Beim Geld hört meist der Spaß auf und hier werden Ergebnisse erwartet. Wer durch eine schwere Zeit geht zweifelt schnell an sich und seinem Vorhaben. Es ist kein schönes Gefühl viel Geld zu verlieren und Zukunftsängste machen sich breit. Ist man wirklich so ein guter Trader wie man dachte, oder hatte man in der Vergangenheit einfach nur Glück? Wird man in der Lage sein die Miete zu zahlen? Hätte man das Kapital lieber auf ein Tagesgeldkonto legen sollen, anstatt es auf dem Währungsmarkt zu verlieren? In schlechten Zeiten spielt der Gehirn oft verrückt und benebelt die Sinne. Hier einen klaren Verstand zu behalten und weiterhin rationale Entscheidungen zu treffen ist eine komplizierte Aufgabe.

 

Auch beim Poker kann man eine lange Pechsträhne durchmachen, auch Downswing genannt. Je mehr Pech man hat, desto stärker kann einem dies aufs Gemüt schlagen. Niemand mag es Geld zu verlieren und häufig zweifelt man daran, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Wer sich davon in seinen Entscheidungen beeinflussen lässt, ist im Pokerjargon „auf Tilt“. Dies gilt es in jedem Fall zu vermeiden – egal ob beim Poker oder Forex. Nach einigen negativen Ereignissen sollte man den Arbeitstag beenden.

 

Gemeinsakeit 5: Das richtige Bankrollmanagement ist essentiell

 

Ohne Bankrollmanagement kennt man sein Risiko nichtJeder Trader muss genau darauf achten, dass er kein zu hohes Risiko eingeht und das Handelsvolumen an sein zur Verfügung stehendes Kapital anpasst. Keine Position darf so groß werden, dass sie einen zu großen Einfluss auf die Karriere nehmen kann. Je geringer das Kapital, desto geringe das maximale Handelsvolumen. Dies dient der Risikoeingrenzung, limitiert jedoch auch die potentiellen Gewinne.
Beim Poker sieht es genau so aus. Welche Limits man spielen kann richtet sich nicht nur nach den eigenen Fähigkeiten, sondern hauptsächlich nach der verfügbaren Bankroll. Sollte diese einen gewissen Wert unterschreiten, muss man ein tieferes Limit spielen. So verhindert man den Totalverlust, muss sich jedoch langsam die Limits hinauf kämpfen.

 

Gemeinsakeit 6: Man tritt gegen andere „Spieler“ an

 

Wer sich an die internationalen Währungsmärkte begibt, hat viele unterschiedliche Menschen an seiner Seite, die ebenfalls mit Währungen handeln. Häufig wird gesagt, dass man gegen die Profis wie beispielsweise die großen Banken keine Chance hat. Dass dies Schwachsinn ist, habe ich in diesem Beitrag erläutert. Dennoch muss es bei jedem Kauf oder Verkauf eines Währungspaares jemanden geben, der als Handelspartner fungiert und somit häufig davon ausgeht, dass sich die Kurse in die entgegen gesetzte Richtung entwickeln werden. In vielen Fällen muss man also schlauer sein als seine Konkurrenz.

 

Beim Poker wird es sehr deutlich, dass man Kontrahenten hat und seinen Profit direkt aus ihnen zieht. Sie sitzen einem gegenüber, manchmal in Fleisch und Blut, manchmal virtuell, und versuchen ihre Chips zu verteidigen. Nur wenn man ihnen einen Schritt voraus ist, wird man Profit aus ihnen schlagen können.

 

Gemeinsakeit 7: Ausgefeilte Software unterstützt den Menschen

 

Trader und Pokerspieler verlassen sich auf ihre ToolsBeim Forextrading kommen wir um viele technische Hilfsmittel nicht herum. Wir lassen vollautomatisch Pivot Punkte einblenden, lassen uns Widerstände und Supports anzeigen und bekommen ohne eigenes Zutun aktuelle Wirtschaftsmeldungen präsentiert. Prägnante Eckdaten werden aus langen Berichten extrahiert und Bonds werden vom Computer berechnet. Ohne diese Hilfsmittel agiert heute nahezu kein professioneller Trader mehr und wir verlassen uns sehr auf unsere Software.

 

Auch das Pokerspiel hat sich durch die technische Revolution sehr verändert. Während man früher am Tisch saß und sich auf sein Bauchgefühl verließ, hat man heute umfangreiche Daten zu seinen Kontrahenten zu Verfügung. Wie häufig er sich an einer Hand beteiligt, wie oft er erhöht, wie er ein eine 3-bet reagiert und mit welcher Handrange er UTG bereit ist Geld zu investieren ist den meisten guten Spielern am Tisch bekannt. Mit Hilfe von Kalkulatoren lässt sich in Windeseile berechnen, welche Gewinnwahrscheinlichkeit man gegen eine Handrange hat und wie hoch man setzen muss um dem Gegner einen Draw unprofitabel zu machen. Das Spiel ist sehr mathematisch geworden.

 

Gemeinsakeit 8: Die menschliche Psychologie ist sehr bestimmend

 

Überall wo Menschen agieren spielt Psychologie eine Rolle. Die Märkte werden meist langfristig von Fakten bestimmt, doch kurzfristige Trends werden oft durch irrationale Emotionen ausgelöst. An den Währungsmärkten spielen die Gefühle Angst und Gier den Profis häufig in die Karten. Aktuell befindet sich die Wirtschaft in einer Krise und die Aktienkurse fallen. Viele Verkäufe von Hobbyinvestoren sind nicht darin begründet, dass sie die Aktie für überbewertet halten, sondern werden durch die Angst weiteres Kapital zu verlieren gelenkt. Für einen Profi ist dies eine gute Gelegenheit ein Schnäppchen zu machen. Anders herum ist es ebenfalls häufig der Fall, dass steigende Kurse weiter in die Höhe getrieben werden, da jeder auf den Trend aufspringen möchte und gierig wird.

 

Bei Pokerspielern kommt es häufig vor, dass unerfahrene Spieler auf Scared Money sitzen, also Angst davor haben ihr Geld zu verlieren. Dies ist meist dann der Fall, wenn das Bankrollmanagement nicht eingehalten wird. Es ist leicht einen solchen Spieler durch hohe Wetteinsätze aus einer Hand zu drücken, wenn er eigentlich mitgehen sollte. Man muss stets die Ziele der Spieler aufdecken und für den eigenen Zweck nutzen.

 

Gemeinsakeit 9: Man muss sich stets an die Konkurrenz anpassen

 

Pokerspieler und Trader müssen stets flexibel bleibenWer erfolgreich im Währungshandel sein möchte, muss sich immer Gedanken darüber machen, was die anderen Händler tun werden und wie man dies für sich nutzen kann. Wenn in den Nachrichten und Fachmagazinen beispielsweise von einer Krise einer Wirtschaft oder Nation berichtet wird, wird dies mit großer Wahrscheinlichkeit Auswirkungen auf den Währungskurs haben. Auch Handelsembargos und selbstverständlich die Bekanntmachung wirtschaftlicher Eckdaten und Entscheidungen der Zentralbanken spielen eine große Rolle. Es reicht nicht diese für sich zu betrachten und Rückschlüsse auf das eigene Handeln zu ziehen, da man nicht alleine im Markt ist und die Reaktionen anderer Akteure vorhersehen muss.

 

Pokerspieler sind in einer ähnlichen Situation. Wenn am Turn ein Ass aufgedeckt wird, reicht es nicht in das eigene Blatt zu schauen und zu überlegen, ob die eigene Hand verbessert wurde. Man sollte sich zusätzlich Fragen, wie häufig der Gegner ein Ass hat und ob er denkt, dass wir ein Ass halten könnten. Anschließend sollte man ebenfalls darüber nachdenken, welchen Fakten sich der Kontrahent bewusst ist, oder ob er stumpf sein Spiel spielt.

 

Gemeinsakeit 10: Keine Situation gleicht der anderen

 

Beim Poker als auch beim Trading gibt es so viele verschiedene Einflussfaktoren, dass jede Situation einzigartig ist. Die Stacksizes, Gegner, Karten, History und Emotionen gleichen sich nie und somit muss jedes Blatt an jeder Street immer neu evaluiert werden. Ähnlich ist es beim Trading. Die Wirtschaftslage verändert sich stetig und in allen Ländern der Welt laufen Entwicklungen ab, die die Handelswerte beeinflussen. Es gibt kein Schema F das angewendet werden kann.

 

Ich denke es liegt auf der Hand, dass die Qualitäten die beim Poker wichtig sind auch beim Trading Anwendung finden und umgekehrt. Ein Trader und ein Pokerspieler muss darauf achten möglichst ausgeglichen zu sein. Beide handeln in Eigenverantwortung, riskieren ihr Kapital und treffen gewichtige Entscheidungen. Ein guter Trader hat demnach eine gute Chance ein erfolgreicher Pokerspieler zu werden und auch guter Pokerspieler sollte sich eventuell mal am Finanzmarkt versuchen. Die erlernten Fähigkeiten lassen sich gut auf den jeweils anderen Anwendungsbereich übertragen.

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