WIr hatten das große Vergnügen ein Interview mit einem sehr erfolgreichen und engagierten Trader halten zu dürfen. Sein Name ist Jens Klatt und er arbeitet als Chefanalyst bei DailyFX Deutschland. Er ist Autor des Buches Forex-Trading: Grundlagen, Strategien und Methoden für den erfolgreichen Devisen-Trader und handelt ebenfalls in eigenem Namen auf dem Währungsmarkt. Er ist bekannt aus N24, DAF und dem täglich stattfindenden Morning Meeting von DailyFX.

 

Forexchef:

An welchen Ihrer Trades können Sie sich am besten erinnern und weshalb?



Jens Klatt:

Gute Frage. Die Trades, an die ich mich am besten erinnere und die mich sicherlich mit Abstand am meisten geprägt haben, sind durch die Bank weg Verlust-Trades. Dazu zählen meine ersten Engagements in Penny-Stocks, Trades basierend auf irgendwelchen Umkehrmustern, die man in Trading-Büchern aufgeschnappt hat und dann, weil es ja ein “sicheres Ding” war, ohne Stop gehandelt hat und so weiter.


Allen Trades wohnt etwas inne, was ich im Laufe meiner Karriere dann als “Richtung vorhersagen” kennengelernt habe, um was es beim Trading aber am wenigsten geht. Es geht um intelligentes Wetten basierend auf einem ausgeklügelten Risk- und Money Management-Plan. Obs rauf oder runter geht, entscheidet am Ende der Markt und nicht irgendwelche Gerüchte oder gar irgendwelche Chartmuster ala “Bullish Engulfing Pattern”, etc.


Klar kannst du mit der entsprechenden Erfahrung und einem tiefen Marktverständnis die Wahrscheinlichkeit erhöhen, auf der richtigen Seite aufzuwachen. Aber es bleibt eben auch immer ein Rest-Risiko mit Glanz und Gloria zu scheitern. Wenn du dann dein Risiko nicht managen kannst, hast du ein großes Problem und deine Karriere am Markt ist häufig genauso schnell auch wieder vorbei.


Etwas abschließendes zur Frage: in meinem Trading ist es mittlerweile so, dass Trades im Einklang mit meinem Handelsansatz (nennen wir sie einfach “System-Trades”) einfach durchgehandelt werden. Das einzelne Ergebnis spielt hierbei keine Rolle, ob Gewinn oder Verlust. Das Ziel ist eine saubere Equity-Kurve mit positivem Ergebnis und kleinem Drawdown zu produzieren, basierend auf der Gesamtheit aller Trades. Nicht nur, dass man sich bei solch einer Zielsetzung keine Riesen-Verlust-Trades leisten kann. Gleiches gilt auch für Gewinn-Trades. Wenn du einen Home Run schlägst, einen Riesen-Gewinn produzierst, dann ist das sicherlich erfreulich.


Aber, basiert dieser Trade auf einem “schwarzen Schwan” und dieser katapultiert einen schlagartig auf neue Equity-Highs (oder aus der Verlust-Zone), dann spricht das im ersten Moment weder für die Qualität des Traders, noch für die Robustheit des Handelsansatzes und stellt die Nachhaltigkeit dessen in Frage.


Forexchef:
Welches Buch hat Sie am meisten geprägt?


Jens Klatt:
Market Wizards von Jack D. Schwager (alle Bücher aus der Reihe). Später folgten keine klassischen Trading-Bücher, die mich aber in meinem Trading maßgeblich beeinflusst haben, wie “Schnelles Denken, langsames Denken” von Daniel Kahnemann oder auch die “7 Wege zur Effektivität” von Stephen Covey.


Forexchef:
Gibt es einen Trader den man als Ihr Idol bezeichnen könnte?
Jens Klatt:
Nein. Es gibt Trader, die beeindruckende Lebensläufe haben (man lese Market Wizards, da gibt es einige). Es gibt Trader, die ein schier unendliches Wissen rund um die Märkte haben. Und von diesen kann man sich viel Input holen, ausgehend hiervon (kostspielige) Fehler vermeiden, die man ohne diesen Input selbst machen müsste. Aber genau so zu sein, wie ein anderer Trader (und das beinhaltet ein Idol in gewisser Form ja irgendwie) funktioniert gerade beim Trading ganz und gar nicht.


Trading ist das härteste Business das es gibt. Und wenn du hier langfristig erfolgreich sein möchtest, dann bist du der Grund, warum du erfolgreich bist (und selbstverständlich auch nicht erfolgreich bist). Ausgehend von dem vielen Input den man sich im Internet, in Büchern, etc. beschaffen kann, sammelst du nur Puzzle-Teile. Diese liegen vor dir ausgebreitet auf dem Boden und dein Ziel ist es nun diese Teilchen so zusammenzusetzen, dass sich ein für dich schönes und mit deiner Persönlichkeit einhergehendes Gesamtbild ergibt. Es gibt Grundregeln, die es zu beachten gilt, klar.


Aber innerhalb dieser Eckpfeiler sollte man höchst flexibel sein und sein Trading mit seinen persönlichen Vorstellungen von Integrität, Demut, Treue, Mäßigung, Gerechtigkeit, Fleiß, Einfachheit oder auch Bescheidenheit in Einklang bringen.


Und da diese für jeden Menschen unterschiedlich sind schließt sich auch der Kreis, warum ein “Trading-Idol” zu haben für mich keinen Sinn macht oder die Duplikation des Tradings eines anderen zum Scheitern verurteilt ist (selbst systematische, automatisierte Trading-Ansätze).


Forexchef:
Welche Situation war in Ihrer Tradingkarriere die schlimmste und was konnten Sie aus dieser lernen?


Jens Klatt:
Meine Antwort klingt nun eventuell etwas esoterisch oder “freaky”, aber: in der Nachbetrachtung gibt es keine “schlimmste” Erfahrung. Ganz im Gegenteil: Trading ist so nah am Leben wie es nur irgendeine Profession sein kann. Es ist ein perfektes Spiegelbild des Lebens, es offenbart ungefiltert persönliche Schwächen und Stärken. Für mich ist das mit Abstand das Schönste, was es gibt (beruflich selbstverständlich):


kein Blabla drumherum, keine “Political Correctness” um einander nicht auf die Füße zu treten, langfristige Geschäftsbeziehungen nicht zu riskieren (dann doch lieber eine Notlüge, wobei man sich sicherlich fragen darf, ob eine Geschäftsbeziehung, die ein ehrliches, offenes und konstruktives Feedback nicht konstruktiv nutzen kann, überhaupt erstrebenswert ist…).


Nein, Trading sagt dir ganz klar: “richtig” oder “falsch”. Und es gibt hier keine Ausnahme. Und das fasziniert mich und macht es mir unmöglich hier etwas als “schlimm” herausstellen zu können, schon gar nicht in der Nachbetrachtung und ausgehend von meinem aktuellen Wissensstand.


Forexchef:
Wie sieht Ihre persönliche Work/Life-Balance aus?


Jens Klatt:
Fakt ist, dass ich kein professioneller Trader bin, der damit seinen Lebensunterhalt bestreitet. An erster Stelle bin ich Chef-Marktanalyst bei FXCM/DailyFX. Trading ist hier eine Ergänzung in die Richtung, wo ich einen Teil meines Vermögens aktiv selbst manage (mir bleibt auch kaum etwas anderes übrig bei den aktuellen Zinsniveaus…;)). Beides lässt sich sehr gut unter einen Hut bringen, ergänzt um andere Job-technische Aspekte in meinem Leben wie Buch-Autor zu sein oder Trader-Coachings anzubieten.


Das hört sich im ersten Moment nun ganz danach an, dass mein Leben nur aus Arbeit besteht. Dem ist aber ganz und gar nicht so. Das war mal so, hat sich aber mit Gründung einer Familie geändert. Das Wochenende ist frei und auch unter der Woche spielt Sport eine ganz wesentliche Rolle um einen gesunden Ausgleich zwischen Arbeit und Leben zu haben.


Forexchef:
Welchen Ratschlag würden Sie sich selbst geben, wenn Sie jetzt eine Karriere als Trader anstreben würden?
Jens Klatt:
Du brauchst Geld, viel Geld, wenn du mit Geld arbeiten willst.


Hierzu ein kleines Beispiel: gehen wir von 100.000 Euro Trading-Kapital aus. Du bist ein richtig guter Trader, machst vor Steuern und Co. 40% im Jahr. Das entspricht 40.000 Euro. 25% Kapitalertragssteuer gehen davon ab, bleiben 30.000 Euro pro Jahr. Das entspricht 2.500 Euro pro Monat. Nun muss die Miete bezahlt werden, der Kühlschrank gefüllt werden, Versicherungen gezahlt werden, etc. Da bleibt unterm Strich nicht wirklich viel für den gerne im Internet suggerierten “Trader-Lifestyle” mit teurem Zegna-Anzug, fetter Rolex, dicker Davidoff-Zigarre und Ferrari. Ganz zu schweigen von der psychologischen Belastung kontinuierlich liefern zu müssen und nach 12 Monaten wieder von vorne anzufangen.


Das beinhaltet, dass man nicht nur Trading-Kapital benötigt, sondern auch einen “Not-Groschen” für einen nicht zu vermeidenden Drawdown. Hat man Familie, fällt der nochmal ein paar Euro höher aus, sagen wir 200.000 Euro (hier gilt die Devise: je mehr, je besser, man bekommt dadurch eventuell auftretende Existenz-Ängste besser in den Griff, wenn es mal nicht so läuft).


Ach ja, wem die monatlichen 2.500 Euro aus dem Beispiel oben etwas “mickrig” erscheinen, der kann, handelt er tiefe Märkte wie z.B. den EUR/USD, gerne skalieren, sagen wir von einem Trading-Kapital von 500.000 Euro ausgehen. Dann kommt man im Schnitt auf 12.500 Euro monatlich (da wirds dann schon eher was mit der Rolex, vom Ferrari ist man aber weiter so weit weg, wie die Erde vom Mond, selbst wenn man den least…;))


Summa summarum liegt der Kapitalbedarf, will man sich also als professioneller Trader versuchen, bei 500.000 – 800.000 Euro.


Das erklärt in meinen Augen eventuell auch ganz gut, warum viele Trader “on top” noch Seminare anbieten, etc.: der Kapitalbedarf für professionelle Trader ist enorm und sollte nicht unterschätzt werden. Die Trader, die Coachings, Seminare, etc. anbieten sind nicht zwangsläufig schlechte Trader (wobei das auf den ein oder anderen doch zutrifft, immerhin verlieren rund 90% der Leute unterm Strich Geld und diese Quote gilt auch für die ganzen Trader-Coaches). Es ist nur so, dass es hier nur wenige gibt, die über die nötigen liquiden Mittel und das entsprechende Skill-Level verfügen, davon oben beschriebenen Trader-Lifestyle leben zu können. Die anderen hätten, würden sie nur traden, zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel…;)


Nachdem ich das begriffen hatte, habe ich für mich ein anderes Ziel im Bezug auf mein Trading formuliert: ich nutze, wie oben geschrieben, einen Teil meines Vermögens als Trading-Kapital und durch Trading manage ich diesen Teil aktiv. Die Kapitalentnahmen versuche ich möglichst gering zu halten, durch die Kapitalertragssteuer wird der Zinseszinseffekt schon zu genüge zerstört.


Um meine Lebenshaltungskosten dennoch zu decken und auch leben zu können, habe ich andere Einkommensquellen, bspw. meinen Job als Chefanalyst bei DailyFX (ach ja: mit dem Buchverkauf verdient man kein “Geld”. Zumindest keines, welches zur Finanzierung einer Familie ausreicht. Das täte ich sicherlich, würde sich mein Buch ähnlich Harry Potter verkaufen. Bedauerlicherweise habe ich mit J.K. Rowling nur die beiden ersten Namens-Initialen gemein…;))
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